Revier: Kanarische Inseln
Boot: Bavaria 44, „Spirit“
Skipper: Helmut
Crew: Kevin, Marko, Christiane
Route: Schwerwettertraining von Gran Canaria nach Teneriffa nach La Gomera nach Teneriffa nach Gran Canaria
Reisebericht von Christiane
Es ist Anreisetag. Marko und Christiane reisen per Flugzeug aus Deutschland an, Kevin und Helmut sind schon auf der Insel. Nach einem ersten Kennenlernen von Crew und Boot im Hafen von Pasito Blanco, einem kleinen Ort im Süden von Gran Canaria, gehen wir abends gemeinsam im Nachbarort essen und besprechen mögliche Routen und das Wetter.
Nach dem Aufstehen wird erstmal gebunkert. Der Hafen hat einen kleinen, aber gut sortierten Supermarkt für den täglichen Bedarf, für größere Einkäufe empfiehlt es sich aber, mit einem Taxi in das große Shopping Centre in der Nähe zu fahren. Taxis kann man auf der Insel jederzeit telefonisch bestellen und die Fahrten sind recht günstig, besonders wenn man in einer Gruppe von mehreren Personen unterwegs ist.
Nach der gründlichen Einweisung durch den Skipper Helmut lernen wir das Boot und uns gegenseitig besser kennen und üben zu diesem Zwecke später auch ein paar Manöver im Hafen.
Endlich geht es los. Die „Spirit“ hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel bzw. Kiel, aber wir sind guter Dinge, dass wir unsere Strecke mit ihr gut schaffen können. Wir erwarten für die Dauer des Törns frühlingshafte Temperaturen und viel Wind.
Wir segeln um 08:15 Uhr los und kommen nach 57 Seemeilen gegen 17:00 Uhr im Hafen Marina del Sur auf Teneriffa an. Unterwegs treffen wir, wie schon auf früheren Törns, Delphine, die uns ein Stückchen des Weges begleiten.
Den Hafen kennen wir auch schon von früheren Törns. Er ist zentral gelegen und hat als Touristenattraktion einen Rochen, der im Hafenbecken lebt.
Da der Tag sehr lang und anstrengend war, gehen wir nur noch etwas essen und lassen den Abend dann ruhig ausklingen.
Nach dem Frühstück und der Wetterbesprechung, legen wir zeitig im Hafen ab und machen uns auf den Weg nach La Gomera. Unterwegs treffen wir mehrmals Buckelwale, die gut sichtbar, aber in respektvollem Abstand von uns bleiben. An einer offenen Stelle drehen wir bei und verhalten uns ganz still und können über einen langen Zeitraum hinweg eine größere Gruppe von Walen beobachten.
Anscheinend ist die Stelle auch bei Touristen sehr beliebt, denn hin und wieder kommt ein Boot auf dem „Whalewatching“ steht dazu und fährt nach einer Weile wieder weg. Wir bekommen den Anblick umsonst und können so lange bleiben, bis sich die Wale immer weiter wegbewegen und wir fast nichts mehr sehen können. Das ist in dieser Gegend ein schöner „Nebeneffekt“ des Segels, der bei uns auch jedes Mal ein Gefühl der Ehrfurcht vor der Schönheit der Natur und des Meeres auslöst.
Gegen 16:00 Uhr kommen wir im Hafen von San Sebastian auf Gomera an und es gibt selbstgekochtes leckeres Chili con Carne zum Abendessen, gefolgt von einem ruhigen Abend in diesem schönen und beeindruckenden Hafenstädtchen.
Da eh schlechtes Segelwetter im Anmarsch und Gomera sowieso immer eine Reise wert ist, haben wir beschlossen einen Landtag einzulegen, um die Insel zu erkunden. Wir mieten uns ein kleines Auto mit einem (für unsere Verhältnisse) furchteinflößenden Reifenprofil und brechen in die Berge des Valle Gran Rey auf.
Gomera ist auch ein sehr beliebtes Ziel für Wanderer. Überall sind Wanderpfade und die Wege, die zum Teil sehr halsbrecherisch aussehen, sind sehr gut ausgeschildert und befestigt.
Tricky ist das Wetter. Je weiter man in die Berge und den Wolken näherkommt, umso feuchter werden natürlich auch die Straßen und Wege und schlechter die Sicht. Auch wenn alles sehr gut befestigt ist, möchte man da lieber nicht ausrutschen, denn die Abhänge sind steil und tief.
Mittags machen wir in einer kleinen Kneipe „Macondo“ in Lomo del Balo halt und haben auf der Terrasse beim Mittagsessen einen fantastischen Ausblick auf das ganze Tal von Valle Gran Rey, das Meer und die Berge.
Ein Highlight ist auch eine, dem Wetter und der vorgerückten Uhrzeit geschuldeten nur kurz ausfallenden Wanderung durch die Berge. Die Flora und Fauna hier oben erinnern an einen Dschungel, alles ist sattgrün und vor Leben strotzend, im krassen Gegensatz zu den rötlichen Felsen und dem Meer, welches hier und da an einem Abgrund hervorlugt. Aufgrund der Höhe der Berge und niedrig sitzenden Wolkendecke ist diese Region vorrangig sehr feucht in dieser Jahreszeit.
Den schönen Landtag lassen wir später in Marios Restaurant „Nino del Mario“ in San Sebastian ausklingen und genießen noch die Ruhe, denn wir erwarten Sturm!
Die Nacht war stürmisch und so wird auch der vor uns liegende Segel Tag werden. Gegen 10:00 Uhr legen wir in San Sebastian ab und fliegen bei Windstärke 6 durch die Düse. Wieder sehen wir unterwegs Wale, dieses Mal sogar ein bisschen näher als beim ersten Mal. Wir schauen ihnen eine Weile zu, müssen dann aber weiter um die Strecke zu schaffen. Der Wind wird in den kommenden Stunden noch stärker werden.
Um 16:00 Uhr erreichen wir Marina del Sur. Da auch wir beim Anlegemanöver im Hafen, aufgrund des ungünstigen Windes ein paar Schwierigkeiten haben, überrascht es uns nicht, als es später am Abend noch Hafenkino zu sehen gibt. Es haben sich beim Anlegermanöver 3 Boote ineinander verkeilt und die Mooring Leinen sind ineinander verheddert. Selbst der Hafenmeister ist ratlos. Zum Glück kommt niemand zu Schaden, aber es dauert ein paar Stunden, bis die Lage aufgelöst und im Hafen wieder Ruhe eingekehrt ist.
Natürlich haben wir schon zu Beginn unserer Reise das Wetter genau studiert und wussten, dass uns in der 2. Wochenhälfte starke Winde treffen werden.
Als wir dann zwischen Teneriffa und Gran Canaria mit bis zu 31 Knoten bei Windstärke 7 durch die 3 bis 4 Meter hohen Atlantik Wellen schießen, schlagen unsere Seglerherzen höher. Die Sicht ist sehr diesig und wir sehen teilweise kein Land mehr, aber alle genießen die Fahrt und niemand wird seekrank.
Gegen 18:30 Uhr kommen wir in Pasito Blanco an und gehen diese letzte großartige Überfahrt des Törns gebührend in einem Streakhouse im Nachbarort feiern.
Wir stehen sehr zeitig auf, um klar Schiff zu machen, Wassertank auffüllen und Seesäcke packen. Dann verabschieden wir uns von Skipper Helmut und der „Spirit“ und reisen gemeinsam in Richtung Flughafen ab. Es war ein guter Törn, mit vielen neuen Erlebnissen und beeindruckender Natur und schönen Seglererinnerungen.